Light our Vision 2026
Kommentar zur Light our Vision 2026
Kaltes Licht statt echter Magie: Hat "Light our Vision" seine Seele verloren?
Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr? 2025 war „Light our Vision“ (LOV) in Chemnitz nicht einfach nur ein Event – es war ein Fest der Sinne, ein kollektiver Gänsehautmoment. Ob am Marienplatz, an der Universitätsbibliothek, dem Roten Turm, am Karl-Marx-Monument oder auf dem Theaterplatz: Die Stadt pulsierte. Licht und Musik verschmolzen zu einer Symphonie, die uns Zuschauer nicht nur ansah, sondern umarmte. Das Zauberwort, das damals über den Straßen schwebte, hieß: Emotionen. Wir haben gemeinsam gestaunt, gefühlt, gelebt.
Und heute? Willkommen beim LOV 2026 – dem Jahr, in dem das Licht zwar noch brennt, aber die spürbare Liebe zum Detail erschreckend oft im Dunkeln bleibt.
Der erste Stopp: Altes Rathaus und Jacobikirche. Ja, die künstlichen Bilder, die über das ehrwürdige Mauerwerk flimmern, sind hübsch anzusehen. Aber das ist es eben auch schon: hübsch. Nichts fesselt, nichts hält einen fest. Man bleibt kurz stehen, das Smartphone klickt, man geht weiter. Wo ist die Musik, die sich mit dem Licht zu einer Geschichte verwebt? Wo ist das Gefühl, das einen zwingt, den Atem anzuhalten? Was bleibt, ist eine klinisch reine Projektion. Ein stummes Bild auf kaltem Stein – fertig.
Am Wall sollte eine Lasershow begeistern, doch was sich dort abspielte, sorgte eher für ratlose Blicke. Die Location? Denkbar ungeeignet. Die Fassade? Von Bäumen verdeckt. Man reckt den Hals, sucht nach der großen Inszenierung – und findet Frustration, während man versucht, durch das dichte Laub überhaupt einen Blick zu erhaschen. Mein hartes, aber ehrliches Resümee an dieser Stelle: Die abendliche Lasershow bei meinem letzten All-Inclusive-Urlaub in der Türkei hatte mehr Wucht und Leidenschaft als dieser flimmernde Versuch.
Doch der Moment der größten Ernüchterung erwartete uns im Stadthallenpark. Mitten im Brunnen prangte das vermeintliche Highlight: Eine aufblasbare, von innen beleuchtete Pflanze. Ringsum saßen unzählige Besucher im Dunkeln, starrten erwartungsvoll auf das Gebilde und fragten sich hörbar: „Wann geht die Lichtshow denn nun los?“ Die bittere Pointe dieses Abends: Sie ging nie los. Es gab nämlich gar keine. Die kollektive Erwartung verpuffte einfach in der kühlen Chemnitzer Nachtluft.
Am ehemaligen Kongresshotel versuchte man schließlich, die Menschen auf eine andere, geradezu befremdliche Art abzuholen. Akteure mimten Besucher aus der Zukunft und verteilten kleine Reagenzgläser, gefüllt mit... „Liebe“. In dieser Zukunft, so predigten sie, gäbe es nur noch Liebe auf dem Planeten und alle lägen sich in den Armen. Ein naiver, fast schon schmerzhafter Kontrast, wenn man parallel auch nur einen flüchtigen Blick auf die echte, brennende Weltbühne wirft. Woher diese allumfassende Menschenliebe plötzlich kommen soll, blieb das Geheimnis der Darsteller. Als wäre das nicht skurril genug, verkam die gewaltige Fassade des Kongresshotels den ganzen Donnerstagabend über zur bloßen Leinwand für kleine 90er-Jahre-Minispiele, die die Besucher spielen durften.
Auf dem Heimweg bleibt nur eine Frage, die leise nachhallt: Bin ich mit zu hohen Erwartungen zum LOV 2026 gegangen? Habe ich mich zu sehr vom magischen Zauber des letzten Jahres blenden lassen? Vielleicht.
Doch eines steht für mich unumstößlich fest: Dieses LOV hake ich ganz schnell ab. Was bleibt, ist die tiefe Hoffnung, dass im Jahr 2027 die Emotionen, die spürbare Liebe und die wahre Seele dieses einst so großartigen Lichterfestes zurückkehren. In diesem Jahr jedenfalls habe ich diese drei Dinge vergeblich gesucht.



















